Warum wir uns im Business oft zu Tode analysieren!
20. Januar 2026
Mehr als zehn Jahre war ich in der Strategieberatung tätig. Analysieren, strukturieren, priorisieren, entscheiden. Zahlen, Daten, Fakten. KPIs, Marktstudien, Benchmarks. Und trotzdem musste ich etwas lernen, das mir in all diesen Jahren niemand beigebracht hat: Irgendwann bringt dich Denken nicht mehr weiter. Dann entscheidet das Fühlen. Ich sage es jetzt bewusst direkt: Wir analysieren uns im Business oft zu Tode. Nicht, weil Analyse falsch wäre – sondern weil sie allein nicht ausreicht.
Wenn Denken an seine Grenze kommt und plötzlich ein Satz alles verändert.
Vor Kurzem saßen wir in einem Markenstrategie-Workshop mit einem süddeutschen Mittelständler. Hochkompetente Menschen, viel Erfahrung, intensive Diskussionen. Wir hatten bereits Stunden damit verbracht, über Positionierung, Werte und strategische Optionen zu sprechen. Mitten in diesem Prozess sagte meine Frau Sabine – ruhig, klar und auf den Punkt:
„Wir reden jetzt gefühlt seit Stunden. Wir müssen das endlich fühlen.“ Dieser Satz hat den Raum verändert. Und er war vollkommen richtig. Denn so wichtig Analysen, Research, Umfragen und KPIs auch sind – sie lassen etwas Wesentliches außen vor: Sie zeigen nicht, was unter der Oberfläche wirklich passiert. Nicht die Spannungen. Nicht die unausgesprochenen Themen. Nicht die inneren Widersprüche, die in Organisationen wirken. All das wird erst sichtbar – oder besser gesagt: spürbar, wenn wir bereit sind, wirklich hinzuschauen.
Fühlen ist kein Gegensatz von Strategie. Fühlen ist Teil von Strategie.
Dank Sabine habe ich eines der wichtigsten Learnings meiner beruflichen Laufbahn vertieft:
Fühlen ist kein Gegensatz von Strategie. Fühlen IST Teil der Strategie. Und trotzdem trauen sich viele Unternehmerinnen und Unternehmer und auch Berater nicht, das offen auszusprechen. Vielleicht, weil es nicht messbar ist. Vielleicht, weil es sich nicht sofort rational erklären lässt. Vielleicht, weil es Mut braucht. Mit dem erwähnten mittelständischen Unternehmen gehen wir heute genau diesen Weg: Als bewusste Ergänzung zum klassischen Strategieprozess arbeiten wir regelmäßig mit systemischen Organisationsaufstellungen. Nicht als Ersatz für Analyse. Sondern als Erweiterung. Um neue Denkräume zu öffnen. Um Dynamiken sichtbar zu machen. Und vor allem: um gemeinsam zu fühlen, was wirklich dran ist. Denn nachhaltige Strategien entstehen nicht nur im Kopf. Sie entstehen dort, wo Klarheit, Intuition und Mut zusammenkommen. Und genau dort beginnt echte NextGen-Unternehmensführung.